Zukunft der HLW Wolfsberg – eine Analyse

Im Bericht „Zukunft der HLW Wolfsberg – eine Chronologie“ wurden die Ereignisse dargestellt, die rund um die Clusterbildungspläne der Bildungsdirektion und die Leiterbesetzung an der HLW Wolfsberg in den letzten Wochen stattgefunden haben.

In diesem Bericht möchten wir aus Sicht der HLW Wolfsberg – auch wenn uns das angesichts der für uns alle sehr belastenden Entscheidungen der Bildungsdirektion über unsere Köpfe hinweg sehr schwerfällt – eine möglichst nüchterne emotionsfreie Analyse dieser Ereignisse liefern.

Was ist geschehen? Unsere bereits zur provisorischen Leiterin der HLW ab 1. September 20 ernannte Kollegin Judith Schöler wurde in der ersten Ferienwoche vom Pädagogischen Leiter der Bildungsdirektion Mag. Haberl plötzlich abberufen und durch den HAK-Direktor Gerhard Veidl ersetzt.  Die lapidare und wiederholt vorgetragene Begründung dafür lautete, das sei eine reine Sachentscheidung und außerdem spreche die größere Erfahrung für Herrn Veidl.

Nun kann man diese Behauptung glauben oder auch nicht. Tatsache ist auf jeden Fall, dass diese Entscheidung von Herrn Haberl getroffen wurde, ohne dass ihre Grundlagen für irgendwen transparent oder nachvollziehbar sind. Es reicht offensichtlich, dass Herr Haberl mantrahaft die reine Sachlichkeit seiner Entscheidung betont. Niemand kann überprüfen, nach welchen Kriterien er seine Auswahl getroffen hat und niemand kann wirklich nachvollziehen, warum es zu einem Gesinnungswandel bei der Leiterposition gekommen ist. Amtsintern gibt es offensichtlich keine Kontrollmechanismen. Die Herrn Haberl unterstellten Schulqualitätsmanagerinnen tun, was er vorgibt, Direktor Klinglmair winkt seine Entscheidungen durch. Der Fachausschuss – die landesweite Personalvertretung der LehrerInnen – schaut zu und interessiert sich ganz offensichtlich nicht für diese Entscheidungspraxis, die aber für uns Schulen auf völlig intransparenter Basis Tatsachen schafft, die Hunderte von Schülern und Eltern und Dutzende von LehrerInnen betreffen. Uns wird in einem autoritären Duktus mitgeteilt, die Entscheidung sei rein sachlicher Natur und wir hätten sie gefälligst zu akzeptieren. Auf welcher Grundlage aber die Entscheidung getroffen wurde, erfährt niemand. Die Entscheidung ist sakrosankt, Kritik unerwünscht, Kontrolle nicht vorhanden. Trotzdem möchten wir es uns nicht nehmen lassen, über die wahren Motive für diese Entscheidungen nachzudenken.

Nun könnte man ja meinen, diese Vorgangsweise sei ja nicht allzu schlimm, denn es handle sich ja ohnehin nur um eine provisorische Leiterbesetzung. Das ist prinzipiell richtig, wenn Provisorien bei uns wirklich das wären, was der Begriff nahelegt, nämlich kurze – wenige Monate dauernde –Überbrückungen, bis es dann zu einer definitiven Postenbesetzung kommt. Dem ist aber häufig nicht so. Provisorische LeiterInnen üben ihr Provisorium häufig jahrelang aus. Es gibt eine höhere Schule in Kärnten, an der dieses Provisorium bereits sieben Jahre (!) lang andauert und auch an der HLW Wolfsberg ist auf Grund der vorliegenden Konstellation davon auszugehen, dass es mindestens zwei Jahre lang dauern wird – ein ziemlich langer und für die Zukunft  unserer Schule entscheidender Zeitraum, in dem jemand die Schule leiten soll, der auf eine für uns überhaupt nicht nachvollziehbare Weise ausgewählt wurde. Außerdem hat natürlich ein provisorischer Leiter, der diese Funktion jahrelang ausübt, einen nahezu uneinholbaren Vorsprung vor jedem anderen Kandidaten, wenn es dann zur definitiven Besetzung des Direktorenpostens kommt.

Das halten wir für äußerst bedenklich. Und es ist erstaunlich – oder auch bezeichnend –, dass niemand in der Bildungsdirektion diese Problematik erkennt und dass auch der Fachausschuss diesem Problem mit völligem Desinteresse begegnet. Wenn es schon innerhalb der Behörde diesbezüglich überhaupt kein Problembewusstsein gibt, dann sollten sich wenigstens die politischen Entscheidungsträger diesem Problem widmen und bei Provisorien, die absehbar länger dauern werden – und dafür kann es durchaus sinnvolle Gründe geben –, für ein transparentes Auswahlverfahren zu sorgen, denn sonst sind  Willkürentscheidungen Tür und Tor geöffnet.

Noch einmal zur Verdeutlichung: Die Bildungsdirektion wählt einen provisorischen Leiter aus, ohne Kriterien für diese Auswahl vorlegen zu müssen, es reicht aus, zu behaupten, aber in keiner Weise nachzuweisen, der ausgewählte Kandidat sei der beste. Das ist eine völlig intransparente und für Außenstehende in keiner Weise nachvollziehbare Vorgangsweise.

Da uns – der HLW Wolfsberg – die Kriterien für die Auswahl von Herrn Veidl zum provisorischen Leiter nicht mitgeteilt wurden, können wir über sie nur spekulieren. Allerdings sind das keine haltlosen Spekulationen, sondern sie fußen auf der im Beitrag „Zukunft der HLW Wolfsberg – eine Chronologie“ dargestellten Vorgeschichte.

Herr Haberl respektive die Bildungsdirektion wollen offensichtlich um jeden Preis einen Bildungscluster in Wolfsberg einrichten, das geht aus ihrem Verhalten eindeutig hervor. Grund dafür ist in erster Linie, dass die Schülerzahlen der HAK seit Jahren um 200 herumpendeln. Momentan gibt es ca. 220 SchülerInnen an der HAK Wolfsberg, jedoch 280 an der HLW Wolfsberg. Die HLW Wolfsberg ist seit Jahrzehnten die schülerstärkere der beiden Schulen und gäbe auf Grund ihrer Größe keinen Anlass für eine Clusterbildung. Die kritischen Reaktionen bei der Vorstellung der Clusterpläne an der HLW, die sich aber in erster Linie auf den zeitlichen Ablauf bezogen haben, und die uneingeschränkte Zustimmung des HAK-Lehrkörpers zu den Clusterplänen bei einer ähnlichen Präsentation ein paar Tage später, haben offensichtlich zum Gesinnungswandel von Herrn Haberl und zu dieser „reinen Sachentscheidung“ geführt, außerdem wird Direktor Veidl von Herrn Haberl der Vorzug gegeben, da dieser „jemand mit Erfahrung“ sei. Daraus kann man wohl – ohne jemandem dabei etwas unterstellen zu wollen – ableiten, dass Herr Veidl mit seiner Ernennung zum provisorischen Leiter der HLW von der Bildungsdirektion den dezidierten Auftrag erhält, den Bildungscluster in Wolfsberg aus HAK und HLW vorzubereiten, was ja auch im Interesse seiner (kleineren) Schule ist.

Nun wird aber die Aufgabe des neuen Schulleiters wohl nur zu einem Bruchteil daraus bestehen, den Cluster vorzubereiten, hingegen zu einem Großteil daraus, eine Schule mit knapp 300 SchülerInnen und 40 LehrerInnen zu leiten, sich um die tägliche anfallenden organisatorischen Probleme zu kümmern und die Schulqualität im Auge zu behalten. Dass Schule ein komplexes und relativ großes soziales Gebilde ist, das im Gleichgewicht zu halten, ohne überflüssige Konflikte zu provozieren, die zu Reibungsverlusten führen, viel Sensibilität und Fingerspitzengefühl bedarf, und das weiterzuentwickeln und zu verbessern, viel Engagement des Lehrkörpers und der Fähigkeit des Leiters, dieses Engagement zu wecken, bedarf, scheint in der Bildungsdirektion nicht bekannt zu sein oder für sie keine besonders wichtige Rolle zu spielen.

Hätte die Bildungsdirektion das breite Anforderungsprofil für einen Schulleiter, über das unser scheidender Direktor Loibnegger in hervorragender Weise verfügt hat, im Auge gehabt, statt sich nicht allzu weitsichtig nur auf die Aufgabe der Clusterbildung zu fokussieren, dann hätte sie bei der Auswahl des provisorischen Leiters / der provisorischen Leiterin berücksichtigen müssen,

  • dass Herr Veidl zwar seit 7 Jahren Direktor der HAK ist, mit den Schülerzahlen seiner Schule aber nicht richtig vom Fleck kommt, und dass offensichtlich auch die Bildungsdirektion nicht mit einem plötzlichen HAK-Boom im Lavanttal rechnet, was ja eigentlich der Anlass für die Clusterbildungspläne ist,
  • dass Herr Veidl mit dem Schultyp HLW bisher keinerlei Erfahrung hat und ihn nur vom Hörensagen kennt,
  • dass Frau Schöler nicht nur seit 20 Jahren mit besten Referenzen an der HLW unterrichtet, sondern darüber hinaus seit Anfang ihrer Lehrtätigkeit an in mehreren Funktionen (Bildungsberatung, SGA, Schulqualitätsteam, Absolventenverein) ein überdurchschnittliches Engagement für diese Schule an den Tag gelegt hat, auf jeden Fall aber über viel Erfahrung in diesem Schultyp verfügt,
  • dass sich Frau Schöler über ihre Lehrtätigkeit hinaus noch eine ganze Reihe von Zusatzqualifikationen (Personalverrechnerin, Business English Ausbildung, Ausbildung zum Systemischen Coach, Ausbildung zum Somatic Movement Educator, Hochschullehrgang Theater- und Dramapädagogik in Unterricht und Schule, Grundlagenlehrgang in Theater- und Schauspielpädagogik Extended) erworben hat, was darauf schließen lässt, dass ihr geistiger Horizont nicht an den Schultoren endet.

Das alles ist ganz offensichtlich bei der Auswahl des provisorischen Leiters nicht eingeflossen, da man in der Bildungsdirektion augenscheinlich ausschließlich die Clusterbildung im Blick hat. Man ignoriert mit dieser Vorgangsweise nicht nur die gesamte HLW Wolfsberg – es wird vonseiten der Bildungsdirektion mit niemandem gesprochen, weder mit dem scheidenden Direktor, noch mit dem Lehrkörper, nicht mit den Eltern, nicht mit dem Schulqualitätsteam, nicht mit der Personalvertretung, sondern die einsame Personalentscheidung wird einfach nur ex cathedra verkündet –, man erweist auch Direktor Veidl, der sich dessen gar nicht bewusst zu sein scheint, einen Bärendienst. Denn die Begeisterung, mit der er im Herbst als provisorischer Leiter an der HLW empfangen wird, wird enden wollend sein. Er wird zwei höhere Schulen leiten müssen – was auch ein Unikum in Kärnten ist – , wobei er von einer der beiden keine Ahnung hat, also wird er Zeit für die Einarbeitung benötigen, er wird den Clusterbildungsplänen der Bildungsdirektion entsprechen müssen und er wird mit einem Lehrkörper zusammenarbeiten müssen, der ihm  auf Grund der Vorgeschichte mit Skepsis begegnen wird. Aber das ist ja dann nicht mehr das Problem der Bildungsdirektion, sondern ausschließlich das von Herrn Veidl.

Natürlich hat die Bildungsdirektion als übergeordnete Instanz das formale Recht, den provisorischen Leiter / die provisorische Leiterin einer Schule zu bestellen, aber der empathie- und seelenlose Apparat, als der uns die Bildungsdirektion in dieser Angelegenheit entgegentritt, dessen Führungspersonal rein technokratisch agiert und eine ganze Schule, die mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen dann jahrelang leben muss, arrogant beiseiteschiebt, scheint uns alles andere als zukunftsorientiert aufzutreten. Zu glauben, man könne über die Köpfe von Betroffenen hinweg intransparente Entscheidungen treffen, und gleichzeitig von den gleichen Betroffenen besonderes pädagogisches Engagement in schwierigen Zeiten zu erwarten, ist doch ziemlich vermessen.

Denn all das geschieht nahezu zeitgleich mit dem für Staat, Gesellschaft, aber auch Schule herausfordernden Lockdown, dem Homeschooling und dem Distance Learning, bei dem auch von uns LehrerInnen besonderes Engagement erwartet und auch großteils eingebracht wurde. Während aber Bundesminister Faßmann in den letzten Monaten den SchülerInnen – speziell den MaturantInnen – mit sehr viel Menschlichkeit, Milde und Großzügigkeit und den LehrerInnen mit sehr viel Wertschätzung entgegengetreten ist, ist davon in der autoritär bevormundenden Art (nach dem Motto „Was für Euch gut ist, wissen wir besser als Ihr.“), in der Herr Haberl und Herr Klinglmair uns gegenübertreten, nichts zu spüren.

„Wer den Bürgern“ ­– und wir ergänzen: Lehrern – „in einem fort das Denken abnimmt, darf sich später nicht wundern, wenn die Eigenverantwortung im Testfall nicht reibungslos funktioniert“, schreibt Claudia Wirz unlängst in der Neuen Zürcher Zeitung. Diesen Satz würden wir gern der Bildungsdirektion ins Stammbuch schreiben.

Wir an der HLW Wolfsberg – und das haben wir in der Vergangenheit immer wieder gezeigt – lassen uns das Denken nicht abnehmen. Die ganze Situation belastet uns , aber wir werden uns nicht entmutigen lassen und wir werden weiterhin unsere kritischen Stimmen erheben. Herr Veidl mag zwar ein provisorischer Leiter von Gnaden der Bildungsdirektion sein, wir als Schule sind es nicht.

Das Kollegium der HLW Wolfsberg

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